Sein Leben - Höhen und Tiefen


 

Bürgerlicher Name

Fritz Holderried

geboren

19.12.1935 in Basel
Komplikationen bei Geburt

Bürger von

Basel und Walterswil

Zwillingsbruder

Rolf

Erster Heimaufenthalt

Mit 6 Jahren kam Fritz in das Kinderheim "Zur Hoffnung" in Riehen. Hier blieb er bis zum 14. Lebensjahr.
Er lernte zu laufen und mit viel Geduld wurden ihm die ersten Worte beigebracht.

Jugendjahre

Bis zu seiner Volljährigkeit verbrachte Fritz seine Jugend in mehreren Heimen und als Verdingbub bei Bauern. Über die negativen Erlebnisse hat er nur mit Verbitterung gesprochen. Diese Zeit hat ihn sehr geprägt und er setzte alles daran, um zukünftig das Leben selbst zu bestimmen.

Endlich selbständig

Bei der Baufirma Milesi in Basel durfte Fritz erstmals sein eigenes Taschengeld verdienen und er war überglücklich, endlich unabhängig zu sein. 

Blueme-Fritz
Namensgebung

Fritz begann seine weitere Karriere vorerst als Hausierer. Des ständigen Treppensteigens müde, versuchte er es erstmals mit Blumenverkauf im Restaurant "Schwalbenäscht" zu Basel. Es war ein toller Erfolg, sodass er beschloss, sich nur noch diesem Metier zu widmen. Die Frau seines damaligen Coiffeurs strickte ihm einen Wollpullover mit der Aufschrift Bluemefritz, sowie seiner Telefonnummer und seiner Adresse.

Blumenkavalier

Bald kannte ganz Basel den immer gut gelaunten und Stimmung bringenden Rosenverkäufer. Er war überall beliebt, war immer freundlich zu seinen Kunden und sie amüsierten sich an seinen charmanten, manchmal auch etwas frivolen, aber belustigenden Sprüchen.

Sein Markenzeichen

Seine Geschäftstüchtigkeit weitete sich alsbald auf die Region aus, nachdem er sich ein Moped mit Anhänger beschaffte. Darauf liess er eine Nachbildung des Spalentors aus Holz montieren und verzierte das Ganze mit Werbeklebern.
Ein weiteres Markenzeichen war eine alte Polizisten-Uniform, auf welcher er die verschiedensten Pins und Blaggetten anbrachte. Auch den Hut verzierte er mit einem bunten Blumendekor und liess in goldigen Lettern BLUEME-FRITZ anbringen.

Sein
Zivilcourage

1970 wurde Fritz aus seiner "lästigen" Vormundschaft befreit - aber nicht ohne sein persönliches Engagement: 
Unangemeldet platzte er mitten in eine Grossrats-Sitzung hinein und verschaffte sich Gehör, in dem er sich lauthals über die schlechte Behandlung seines Vormundes beschwerte.
Am Folgetag wurde sein Vormund durch einen Beistand abgelöst. 

An jedem
Anlass dabei

Ob als FCB-Fan im Joggeli - wo er in der Pause zur Belustigung des Publikums auf dem Spielfeld Purzelbäume schlug oder ein Säuli laufen liess - oder bei jedem Stadtfest - Fritz war immer dabei und sorgte stets für Heiterkeit und gute Stimmung. Sogar an der EXPO in Lausanne war er bald bekannt und wurde von Bundesrat Tschudi entsprechend gewürdigt. Auch mit Prominenten aus dem Ausland machte er Bekanntschaft: Bundeskanzler Willi Brandt erfreute sich über einen riesigen Blumenstrauss und sogar von Bill Clinton erhielt er ein persönliches Dankesschreiben. 

Seine
Reise-
abenteuer

Mit seinem Töffli und Wägeli bereiste Fritz die ganze Schweiz. In den Sommermonaten hielt er sich am Bielersee auf - die Rosen liess er sich jeweils per Bahn zukommen. Die Gemeinde Twann verlieh ihm deshalb nach 10-jähriger Tätigkeit eine Ehrenurkunde.
Er unternahm aber auch viele Reisen in's benachbarte Elsass oder in den grossen Kanton. Eine spezielle Geschichte erlebte Fritz, als er einmal in's Tessin in die Ferien wollte. Da er nicht lesen konnte, geriet er mit seinem Töffli auf die Autobahn und durchfuhr den 17 km langen Gotthardtunnel ! "Es hett gruusig gschtungge in dem Loch und es hett fascht nümme welle uufheere" hat er dann gemeint, und auf der andern Seite erwarteten ihn sechs Polizeiwagen. Nach einem klärenden Gespräch mit Karl Schnyder, dem ehemaligen Polizeichef von Basel, wurde er von den Polizisten zu Piccata mit Risotto eingeladen, die horrende Busse von 800 Franken wurde ihm erlassen und die Polizei übernahm sogar grosszügig die Hotelkosten.
Die vielen Fahrten und der tägliche Einsatz seines Gespanns forderten ihren Tribut: Insgesamt 13 mal musste Fritz wieder ein anderes Töffli einlösen, sei es dass sie schlapp machten oder gestohlen wurden. Auch sein Holzhüsli wurde mehrmals in Mitleidenschaft gezogen: vielmals wurde es von Böswilligen demoliert oder sogar angezündet. Sein letztes "Chalet" konnte jedoch der Nachwelt erhalten bleiben.

BS 95 549

1989 organisierte Radio Basilisk ein grösseres Stadtfest, um "Blueme-Fritz" einen mobileren Untersatz zu beschaffen: ein kleines Auteli mit maximal 40 km/h. Obwohl Fritz weder lesen noch schreiben konnte, hat er die Fahrprüfung bestanden. Das rote Tuckerli steuerte Fritz 8 Jahre unfallfrei durch Basel's Strassen, bis die Kurbelwelle ihren Geist aufgab. Davon erfuhr FCB-Präsident René C. Jäggi und er sponserte zusammen mit den Spielern des FCB prompt ein neues Gefährt: diesmal in auffallendem Grün und natürlich wurde der Zweisitzer wieder mit allerlei Werbeklebern bestückt.

Sein soziales
Engagement

Fritz war ein äusserst gutmütiger und grosszügiger Mensch. Obwohl er nie Sozialhilfe erhalten hat und sich existenziell immer nur das Notwendigste leistete, hatte er ein grosses Herz für die Benachteiligten unserer Gesellschaft. Wann immer er ein Fest organisierte, jedesmal führte er Sammlungen für soziale Zwecke durch, besang eine Platte zugunsten der Milchsuppe Basel (Rose, Tulpe und Narzisse) oder er unterstützte sein ehemaliges Schulheim "Zur Hoffnung" mit einem ansehnlichen Betrag.   

Der Bildermaler      

Mitte der 90-er Jahre bekam Fritz zunehmend gesundheitliche Probleme und er musste seine Rosentouren immer mehr einschränken. Anlässlich eines Spitalaufenthaltes begann er zu malen - vorerst für die Zimmernachbarn, dann für die Krankenschwestern und dann fanden sogar die Oberärzte Gefallen an seinen bunten Bildern.
In den letzten Lebensjahren konnten dann fünf Bilderausstellungen realisiert werden - der Erlös daraus kam wiederum dem Sonderschulheim "Zur Hoffnung" zugute.
Fritz war ein Nachtmensch, malte zu Hause stundenlang Bilder: FCB, Spalentor, Schmetterlinge, d'Ueli-Fähri und "Bluemechind" waren seine Lieblingsmotive.

Ein erfülltes
Leben

Immer ein strahlendes Gesicht - seine Lebensfreude war unermesslich. Verschmitzt meinte er anlässlich seines letzten Geburtstagfestes: "D'Ärzt hänn mir nu zwei Johr in Ussicht gstellt - jetz bin n'ich 68 worde und ich ha s'Lääbe gnosse !" 
Eine Woche später, am 25. Dezember 2003 schloss er in den Armen seines Zwillingbruders Rolf friedlich die Augen. 
Blueme-Fritz wurde auf seinen Wunsch hin in Allschwil begraben. Den schlichten Grabstein ziert eine Rose.  

Nachwort

Alle, die "Blueme-Fritz" gekannt haben, werden sich immer seiner Heiterkeit, seiner Fröhlichkeit und seiner Gutmütigkeit erinnern. Er hat vielen Menschen Freude bereitet und beispielhaft vorgezeigt, dass man mit Willenskraft und Mut auch die schwierigsten Lebenssituationen meistern kann.